Ich muss raus

Schweriner Schloss
Schweriner Schloss

Der dritte Tag Urlaub und draußen hört es nicht auf bindfäden zu regnen.  Das ganze Wochenende stehe ich das nicht durch, da fällt einem ja die Decke auf den Kopf. Soviel Rosen und Federn kann ich gar nicht fotografieren. Die geplante Schwanen-Havel-Tour fällt wohl auch sprichwörtliche ins Wasser. Der Wetterbericht sagt aber eine Wolkenlücke zwischen Schleswig-Holstein und MeckPomm voraus. Also geht es raus auf den Schweriner See! Und soviel sei vorweg gesagt, der Wetterbericht sollte recht behalten.

Auf jeden Fall fängt die Tour schon prima an, als mich die paddelfreundliche  Schweriner Rudergesellschaft - wir erinnern uns nur kurz an den wohl arrogantesten Ruderclub von Deutschland in Lübeck - problemlos ihren Steg für den Einstieg zur Verfügung stellt.

 

Zunächst soll es einmal um's Schloss gehen, aber das schaffe ich schon gar nicht. Im Schlossgarten ist Dalienfest, gut, das ist jetzt nicht so spannend, aber die Würstchenbude roch verführerisch und zwischenzeitlich war es ja auch schon wieder Mittag bis ich endlich im Boot saß. Also kurze Pause.

 

Gut gestärkt geht es nun endlich los auf den Rundkurs. Zunächst halte ich auf Kaninchenwerder zu, um sie einmal zu umrunden. Kaum bin ich hinter der Insel verschwunden, zieht eine schlechtwetter Lage über mich hinweg, die das Wasser von oben, direkt aus dem See zu ziehen scheint, denn die Wellen türmen sich richtig auf und schaukeln mich gut durch. Aber ich bin noch nicht richtig hinter der Insel wieder hervor, da ist es auch schon wieder vorbei und Schwerin liegt in herrlich dynamisch anmutender Quellbewölkung vor mir. Zeit für? Richtig! Päuschen. Der Kaffee in der Thermoskanne ist noch heiss und Doppelkeks geht immer.

 

Dann mache ich mich auf den direkten Web vom Innensee zum Außensee und ich muss sagen, der See zieht sich mit seinen 21km ganz schön. Ab dann gegen Abend ist die Insel Lieps auszumachen und ich hoffe das Zelt stehen zu haben, bevor das graue etwas über einem zur Tat schreitet. Aber es verhält sich bescheiden und weiht nur mit ein paar Tropfen das Zelt ein und macht dann Platz für eine sternenklare Nacht.

 

Auf der Insel Lieps soll man ja wild campieren können, wenn es in Deutschland legal wäre, daher ist das Folgende natürlich rein hypothetisch. Wenn ich dort genächtigt hätte, hätte ich beim Aufbau mich sicherlich gefragt wieso es einen kleinen schmalen Trampelfad gibt, als wenn hier stündlich Horden von Waldläufern die Insel umrunden... das Rätsel sollte sich später noch klären. Denn kaum ist das Nachlager eingerichtet, legen zwei Segler an und sammeln sofort reichlich Feuerholz. Freundlich wie Berliner nun mal sind, laden mich, nennen wir sie Manu und Oli, zu ihrem Grillfest ein. Sie geben mir auch noch einen wichtigen Tipp, für eine ruhige Nacht: mein Boot solle ich lieber nicht quer über den Trampelpfad liegen lassen. Denn die eigentlichen Bewohner der Insel, die Schafe, pflegen ein nächtliches oder besser frühmorgentliches Ritual, sie umrunden die Insel in einem Gänsemarsch und wenn dort dann etwas unerwartetes ihren Weg versprerrt, ist es Schluss mit der Nachtruhe. Das erste Schaf stoppt, das zweite rennt hinten auf und alles dahinter hupt .. pardon... blöckt unaufhörlich, bis die Ordnung wieder hergestellt ist. So ist das mit Ritualen.

 

Beim ausklingenden Lagerfeuer überlege ich noch, ob Köfte eigentlich aus Lammfleisch ist, und ob man das auf einer solchen Insel überhaupt hätte grillen dürfen?? Egal.

 

Der nächste Morgen beginnt mit einer ordentlichen steifen Brise. Windstärke von 4 bis 5 aus der Gegenrichtung bedeutet zwar mehr paddeln als gewönlich, irgendwie fühlt man sich aber auch freier, wenn der Wind einem so direkt um die Nase pfeift. Die Wellen türmen sich gut einen halben Meter vor mir auf, nehmen dabei mein Boot mit Leichtigkeit mit in die Höhe und lassen es dann auf die Oberfläche klatschen, so dass einem die Gischt ins Gesicht spritzt. Das ist doch Seefahrerromantik pur. Da sitze ich doch hier, während der Regen gegen meine Scheibe prasselt, und lecke mir die spröden Lippen und irgendwie schmeckt es nach Salz...

 

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