Packen mit Hirn

Lebensgefahr gebannt!
Lebensgefahr gebannt!

Ist auf jeden Fall hilfreich, wenn man sich auf die Tour von Bad Segeberg nach Lübeck macht. Aber wie Murphy es schon wusste, was man sucht liegt natürlich im letzten Packsack ganz unten.

 

Die Boote stehen dankenswerterweise durch Kanu-Center um 13h abfahrtbereit an der Mühle, aber da schaltet das Hirn: Mühle -> Mehl -> Brot! Wir haben was vergessen! Darum nochmal kurz zum Bäcker, der uns dann auch um eine Erfahrung reicher macht, dass Franzbrötchen mit Styropor nicht unbedingt zum kulinarischen Highlight einer Kaffetafel gehören.

 

Dann geht es los auf die landschaftlich sehr reizvolle Etappe von ca 15 km bis Bad Oldesloh über einen sehr steinigen Fluss, der manchmal sogar kleine Stromschnellen aufweist. Ob und für wen die nun Lebensgefahr darstellen, sei dahingestellt, aber ich muss zugeben, wenn das dritte Schild in fetten, roten Buchstaben auf LEBENSGEFAHR hinweist, zögert man letztendlich doch einmal kurz, bevor man dann einfach drüberfährt ;-)

 

Nachdem dann auch die letzte Sportplatzdurchsage des "dynamischen" Stadionsprechers  direkt neben dem Zeltplatz der Jugendherberge in Oldesloh verhallt ist, setzt ein leichter Regen ein. Aber nicht stark genug, um den ganzen Sack Kohlebriketts auszulöschen.

 

Am nächsten Morgen scheint die Sonne vom blauen Himmel, als wäre nichts gewesen, aber da wir das Frühstück etwas gemütlicher angehen lassen, entscheiden wir uns, die Boote nicht direkt ins Wasser zu lassen und sparen die Tour durch die Stadt, in dem wir direkt zur Einsatzstelle am Finanzamt marschieren. Den Aufmerksamkeitsfaktor der Autofahrer kann man erahnen ;-)

 

"Ortskundige" machen die Verwirrung perfekt, in dem sie uns die 10m entfernte Einsatzstelle verschweigen und wir daher versuchen (mit Erfolg!) von der Böschung einzusteigen. Doch dann merkt man, dass man sich auf dem Fluß, direkt in einer Stadt befindet. Das heisst, Augen, aber vor allem Nase zu und durch. (Was man heutzutage noch alles so in einen Fluß einleiten darf??)

 

Die Zeit ist schon ordentlich vorangeschritten und es liegen noch 25km Tagesetappe vor uns. Wir hoffen auf etwas mehr Strömung und dass der Algenteppich nicht noch mehr zunimmt, dann könnten wir nämlich nach Lübeck laufen. Es scheint, als könne das Wasser auch als Flüssigdünger vermarktet werden.

 

Der Rückenwind ist uns hold, aber der Schweinezyklus, dass wir - naja, nicht alle, aber ich nenne keine Namen - je schneller wir paddeln umso mehr Pausen für die Energiezufuhr brauchen, hält unseren Schnitt auf etwas über 5 km/h. Vielleicht könnte man hier zukünftig mit einem Rücksack mit Flüssigknahrung arbeiten? ;-)

 

Langsam nähern sich die 7 Kirchtürme von Lübeck und so ein paar Ruder-Vereinsmeier  (ihr wisst schon, so Freunde die auch privat Spass daran haben, Hemden und T-Shirts auf DinA-4 zu falten und weil zu Hause die Frau das Sagen hat,  tritt man halt in einen Verein ein, mit der Hoffnung dort wenigsen Respekt zu erlagen.  Aber da man es nach 10 Jahren noch nicht mal zum Kassenwart geschafft hat, muss man sich als Ruderer halt an Paddler vergreifen, die einem den eigenen Privatsteg streitig machen wollen.) Somit gilt unser Dank dem Lübeker Ruderklub, der "keine große Hilfe" ist, den Wassersport bekannt und beliebt zu machen. Wer also mal versehentlich auf diese unentspannten Jungs trifft, keine Angt, wir sind NICHT alle so peinlich - ganz im Gegenteil!

 

Zum Ausklang lädt das Wetter zu einer letzten Nacht an der Ostsee ein, daher geht es direkt weiter nach Scharbeutz. Wie man sich vorstellen kann, im Hochsommer in der Ferienzeit aller norddeutschen Bundesländer keine Idee, die nicht andere auch hätten. Aber, wer nicht wagt .... und schon beim zweiten Anlauf werden wir fündig, Camping Ferienglück winkt noch zahlreiche neue Camper an dem Abend rein, hier finden alle ein Plätzchen. Wer nicht unbedingt auf Top-Sanitäranlagen wert legt, kann hier auf jeden Fall echte Typen kennen lernen. Der Betreiber mit Zottelbart und blauer Latzhose fährt mit seinem passenden Deutz Pickup, für den ein Nudelsieb als Partikelfilter schon reichen würde, zum Heu holen und der "Chefin" fahren (weil laufen tun die jungen Männer ihr schon lange nicht mehr hinterher) die Gäste bis zur Privat-Parzelle hinterher.

 

Bei drei Männern am Herd ist natürlich Fleisch das Gemüse und Salat was für Kaninchen. So kann die perfekt Tour ganz ungewöhnlich ohne Pannen und Blessuren perfekt ausklingen.

Immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel - hier klicken für mehr Bilder.
Immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel - hier klicken für mehr Bilder.

Literatur zum nachpaddeln:

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