Was für ein Paddelwetter

Rudelgucken
Rudelgucken

Es ist Samstag der 3. Juli, richtig, was man (oder zumindest ich) nicht geglaubt haben mag ist eingetreten, Deutschland ist im Viertelfinale. Aber deswegen ein Paddelwochenende sausen lassen? Das must doch kombinierbar sein.  Also zeitig los und um vier muss ich halt am Campingplatz sein. Also, los geht's...

... und zwar nach Eutin in die Nähe des Germania Rudervereins. Ein Blick aufs Thermometer läßt mich zweifeln, ob ich zeitig genug bin, 27 Grad (!!) aber es ist tatsächlich erst kurz nach 9 Uhr *puh*

Oh mein Gott, kaum hat man das klimatisierte Auto verlassen, möchte man auch schon wieder rein und den faradayschen Käfig zumindest bis Sonnenuntergang nicht mehr verlassen. Hilft nix, zur Feier das Tages das Trikot als Paddeljacke und rauf auf's (naja, mehr oder weniger) kühle  Nass.

Ich habe noch kurz überlegt, ob ich den Bootswagen brauche, aber gut, dass ich mich dafür entschieden habe, denn sonst wäre nur 2 km weiter die Fahrt schon zu Ende gewesen...will sagen, alles wieder raus aus dem Wasser.

 

Ganz froh, dass die Schwentine hier noch fast komplett unter Bäumen verläuft kann ich meine Fahrt nach dem Einsetzen wieder fortsetzen. Doch dann kommt der Dieksee. Leichter Gegenwind und die Sonne brät erbamungslos von oben. Das Shirt klebt, Dreiwettersaft!

 

Leider habe ich mich etwas verkalkuliert, denn das erste Tor verpasse ich leider, macht nix, das Ergebnis stimmt ja. Kaum habe ich anglegt, wird die 2. Halbzeit angepfiffen, also ist noch schnell Rudelgucken in der Campingkantine angesagt. Halluziniere ich schon, oder schiessen die wirklich noch 3 Tore? Die Vuvuzela in meinem rechten Ohr zur Folge lebe ich noch und es ist wahr! Cool! Oder besser Heiß!! ... Obwohl, dann darf mein Trikot bis Mittwoch immernoch noch nicht gewaschen werden? *oh oh*

 

Hier wird jetzt also mein Basislager aufgeschlagen? Dafür das hier Wasserwanderer angeblich überall willkommen sind, liegt der Zeltbereich aber ganz schön weit weg vom Wasser. Also nochmal 300m den Abhang rauf geschoben, wer jetzt keinen Bootswaagen hat und alle Säcke einzeln hochschleppen darf, kann hier wenigstens mit einem kleinen Marathon die Beine trainieren.

 

Am nächsten Tag werden dann Kilometer gefressen, einmal die Schwentine rauf und wieder runter. Rund um Plön und der obere Teil ist sehr nett, leider zieht sich der mittlere Teil dafür etwas laaaaang und breit. So dass ich abends überlege, wieso beim Paddeln eigentlich die Gesäßmuskulatur so dermaßen beansprucht wurde, und geneigt bin im Stehen zu essen. Vom nicht vorhandenen Rotwein kann es auch nicht kommen. *Den Witz erzähle ich Euch ein anderes Mal).

 

Auch der letzte Tag beginnt paddlertraummäßig blau mit leichter Quellbewölkung. Den langen Weg zum Wasser kenne ich ja mittlerweile und bergab geht es irgendwie auch einfacher. ;-)

 

Als ich mich noch so frage, wieso hier kaum jemand trotz Urlaub in fünf nördlichen Bundesländern unterwegs ist, kommt mir doch eine Paddlerin in Sichtweite entgegen. Ihr dünner Sommerhut bewegt sich von der leichten Briese behende auf und ab, wir winken uns einen kurzen Paddergruß zu und sehen uns dann ein Leben lang nicht wieder....

 

Kurz vor Schluß wäre es dann noch fast passiert, ich sitze vor meinem Kajak, das so eben eine Eskimorolle vom Bootswagen absolviert hat und ich suche den Splint, der das Rad eigentlich an der Achse halten sollte. So klein, dieser goldene Ring und doch, da liegt er und blitzt in der Sonne, mein Schatz, auf dem Steg, als wäre nichts gewesen...

 

Nu aber ab nach Hause, und einen Ersatz-Splint besorgen für das nächste Mal, denn zweimal geht das bestimmt nicht gut...

Fazit:

Die Schwentine ist ein phantastisches Paddelgebiet vor den Toren Hamburgs, ein ständiger Wechsel von verwunschenen, Waldflussläufen und überschaubaren Seenlandschaften. Die meisten Seen schneidet man auch nur an der Ecke an und verschindet wieder im Wald.

Leider sind Rundtouren nicht wirklich möglich, so dass man entweder mit der Bahn zum Ausgangspunkt zurückfährt oder die gleiche Strecke zurück paddelt, was nicht immer spannend ist.

Landschaftlich sehr reizvoll, vergleichbar mit MeckPomm, nur mehr Zivilisation (positiv oder negativ muss jeder selber entscheiden) aber eben mit schlechteren Rundkurs-Möglichkeiten.

 

Paddeltour auf der Schwentine. Auf das Bild klicken für mehr Fotos.
Paddeltour auf der Schwentine. Auf das Bild klicken für mehr Fotos.

Die Tour:

Tag 1: Eutin (Germania Ruderverein) - Gr Plöner See (Zeltplatz Gut Ruhleben) ca. 17 km

Tag 2: Gr. Plöner See - kl. Plöner See - Schwentine (bis Kronsee) -  zurück: ca. 23 km

Tag 3: zurück zum Ausgangspunkt: 17 km

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Kommentare: 1
  • #1

    WDB (Mittwoch, 07 Juli 2010 14:07)

    Den Rotwein hast Du aber sich beim Schreiben des Textes nachgeholt, oder wie sind Deine Aussetzer zu er-
    klären (Sonnenstich?) ;-))

    Gruß
    Wolf-Dieter